Fortschritt bei der Entwicklung eines praxisnahen Verfahrens zur Viruzidieprüfung von Händedesinfektionsmitteln

Fortschritt bei der Entwicklung eines praxisnahen Verfahrens zur Viruzidieprüfung von Händedesinfektionsmitteln

Hygienische Händedesinfektion ist eines der wichtigsten Instrumente um Virusinfektionen in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen vorzubeugen. Richtlinien betonen immer mehr die Notwendigkeit von Vorschriften zur Händehygiene mit alkoholischen Händedesinfektionsmitteln. Zur Anwendung werden jedoch Produkte benötigt, die eine Wirksamkeit gegen Modellviren ausgewertet in einem quantitativen Suspensionsversuch und/oder auf künstlich kontaminierten Fingerbeeren (ASTM 1838-10) oder der gesamten Handfläche (ASTM 2011-09) nachweisen können. Leider jedoch folgen beide ASTM Methoden nicht den gängigen Praktiken in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen.

Bisher gibt es keine Methode in Europa, die die antivirale Wirksamkeit gegen kontaminierte Hände bestimmt. Derzeit bemüht sich das CEN Komitee (Virus Task Group) eine Methode zu entwickeln, die sowohl der Kontamination als auch dem Umgang in medizinischen Einrichtungen ähnelt. In dem WI (Work Item) 00216088 sind die derzeitigen Fortschritte beschrieben.

Der murine Norovirus (MNV) wurde als Testvirus bestimmt. Die Fingerbeeren (inklusive der Daumen) werden in 0,5 ml kontaminierter Flüssigkeit (murine Norovirus Suspension) in 12 oder 24 well-Platten für 15 Sekunden beimpft. Überflüssige Flüssigkeit darf dann für maximal 30 Sekunden zurück in den Behälter tropfen. Danach werden die Finger für 3 Minuten unter der Sicherheitswerkbank getrocknet.

Zur Händehygiene werden 3 ml Händedesinfektionsmittel in die trockene Handhöhle gegossen und für 30 Sekunden kräftig in die Haut eingerieben bis hin zu den Handgelenken. Es wird die Standard Händedesinfektionsmethode EN1500 angewendet um die komplette Hand abzudecken.

Danach werden sofort Proben von jedem Finger (inklusive Daumen) mit 1 ml Probenflüssigkeit pro Finger genommen. Jeder Finger wird für 1 Minute in einer Petrischale mit 1 ml Zellkulturmedium gerieben.  Nun kann der Titer der restlichen Viren bestimmt werden.
Das virologische Labor von Dr. Brill + Partner in Bremen ist seit Beginn in die immer noch andauernden Ringversuchen in Europa zusammen mit zwei weiteren Laboratorien in Europa und einem in den Vereinigten Staaten involviert. Kürzlich wurden in diesen vier Laboratorien Studien durchgeführt, um die verschiedenen Ethanol-Konzentrationen zur Referenzprüfung herauszufinden.

Die Studien für die Entwicklung der europäischen Testmethode zur Auswertung der Virusinaktivierung von künstlich kontaminierten Händen dauern noch an. Dr. Brill + Partner GmbH wird weiterhin in diese Studien involviert sein. Eine vorherige Studie in unserem Laboratorium in Bremen, welche unabhängig von den europäischen Bemühungen durchgeführt wurde, wurde 2012 publiziert und zeigte die große Kompetenz in diesem Feld.

J. Steinmann, D. Paulmann, B. Becker, B. Bischoff, E. Steinmann, J. Steinmann: Vergleich der viruziden Wirkung von alkoholischen Händedesinfektionsmitteln gegenüber antimikrobieller Handseifen in vitro und in vivo. J Hosp Infect (82): 277-280 (2012)

Falls Sie zu diesem Thema weitere Fragen haben sollten, zögern Sie bitte nicht Kontakt mit uns aufzunehmen.